• Innenentwicklung der Stadt: Potenziale deutlicher sichtbar machen

Innenentwicklung der Stadt: Potenziale deutlicher sichtbar machen

08.06.2021

Die Stadt sollte in ihrer Innenentwicklungsstrategie Gebiete mit hohem Entwicklungspotenzial – etwa die westliche Innenstadt, Haggen/Lerchenfeld und St.Fiden – und mögliche Konflikte zwischen Wohnen und Arbeiten noch viel deutlicher sichtbar machen. Das halten der HEV, die Wirtschaftsverbände und bürgerlichen Parteien in einer gemeinsamen Mitteilung fest: Sie unterstützen das angestrebte Wachstum bis zu 100'000 Einwohnern, das aber nicht zur Verdrängung des produzierenden Gewerbes führen darf.

Der Hauseigentümerverband der Stadt St.Gallen, Gewerbe St.Gallen, Wirtschaft Region St.Gallen (WISG) und die bürgerlichen Stadtparlamentsfraktionen CVP, FDP und SVP sehen in der vom Stadtrat präsentierten Vorlage einige Übereinstimmungen mit eigenen Überlegungen: Fokus auf den gemischt genutzten Talboden und die Quartierkerne, hohes Potenzial in den Arbeitsgebieten an den Stadteingängen und Hauptverkehrsachen als wichtige Adern der Siedlungsentwicklung. Die Interessen des produzierenden Gewerbes werden von der Stadt in der vorliegenden Strategie jedoch kaum berücksichtigt. 

Potenziale...

Keine erkennbare Rolle in der städtischen Strategie spielen die Treiber der Stadtentwicklung mit den Innovationsträgern und starken Bildungs- und Kultureinrichtigungen. Es fehlen auch Entwicklungsflächen für wissensbasierte Unternehmen und Arbeitsplätze in Bahnhofsnähe. In diesem wertschöpfungsstarken Bereich verzeichnet St.Gallen – im Gegensatz zum schweizerischen Trend – kein Jobwachstum: Bahnhof Nord, St.Fiden und der künftige «Westbahnhof» (Zusammenlegung der Bahnhöfe Bruggen und Haggen) könnten hier eine wesentliche Rolle spielen. Zudem hat die gesamte westliche Innenstadt hat aus Sicht der Verbände und bürgerlichen Fraktionen ein enormes Potenzial als Motor für die Stadtentwicklung und ist daher mehr zu berücksichtigen. 

Ebenfalls Potenzial sehen die Wirtschaftsverbände und die Fraktionen CVP, FDP und SVP beim Wohnraum in der Altstadt und Innenstadt: Mit entsprechenden Wohnangeboten für das Segment «Urbane Avantgarde» könnte St.Gallen vermehrt steuerkräftige Einwohner gewinnen. Durch die Stadtentwicklung komme der ältere Wohnraum der «freien Alternativen» im Talboden unter Druck. Es seien aber genau diese unzeitgemässen Liegenschaften, die einen der höchsten Leerwohnungsstände von allen Schweizer Städten bewirkten und daher in moderne Mischnutzungen transferiert und vor allem auch für Familienwohnen nutzbar gemacht werden sollten. 

... und Konflikte

Wohn- und Arbeitsentwicklungen haben gemäss Wirtschaft und bürgerlichen Fraktionen neben Synergieaspekten auch Konfliktpunkte. Daher sei im Talboden die räumliche Verteilung der Entwicklung klarer sichtbar zu machen und auch klar zu kommunizieren, ob die Arbeitsentwicklung auch produzierende Gewerbenutzungen mitberücksichtigt. Insbesondere darf das angestrebte Wachstum bei der Einwohnerzahl nicht dazu führen, dass das produzierende Gewerbe im gemischt genutzten Talboden verdrängt und an den Rändern der Gewerbe- und Industriegebiete beeinträchtigt wird. In den Arbeitsgebieten an den Stadteingängen ist aus bürgerlicher Sicht daher nicht primär die Verdichtung anzustreben, sondern die optimale, den Ansprüchen und Betriebsabläufen der dort ansässigen Unternehmen entsprechnede Flächennutzung. Diese Gebiete sind auch im kantonalen Richtplan für die Arbeitsnutzung reserviert. 

Gefordert wird auch eine weniger grossflächige Betrachtung des Talbodens: In der jetzigen Fassung ist kaum nachvollziehbar, wo die künftige Wohnentwicklung akzentuiert wird und wie sich dies auf die Arbeitsnutzungen auswirkt. Schliesslich verweisen Gewerbe, Wirtschaft, Hauseigentümer und die Fraktionen CVP, FDP und SVP auch auf die Bedeutung der Verkehrsachsen, die als attraktive Erschliessung für die Arbeitsnutzungen elementar wichtig sind. Die Verdichtungen entlang dieser Achsen, die sowohl die Stadt wie die Wirtschaft in ihren Strategien festhalten, birgt das Potenzial für Lärmkonflikte, die für die künftige Entwicklung zu berücksichtigen sind.