• Vorsicht: Köniz!

Vorsicht: Köniz!

15.02.2019

Nur nicht aus der Top10 fallen – Wie ist das doch Balsam auf unsere geschundene Seele: St.Gallen wächst wieder! Der Schrumpfprozess scheint damit gestoppt. Sogar die alte Bestmarke bei der Bevölkerungszahl von 1970 mit über 80 000 Einwohnern ist in Sichtweite. Somit alles in Butter? Weit gefehlt! St.Gallen droht ohne Kurskorrektur langfristig der Abstieg aus der Top-10 der Schweizer Städte.

Gemessen an der ständigen Wohnbevölkerung liegt die Stadt St.Gallen noch an achter Stelle der grössten Gemeinden in der Schweiz. Insbesondere in der jüngeren Vergangenheit weist die Stadt St.Gallen aber ein äusserst schwaches Bevölkerungswachstum auf. 2018 wuchs die Stadt um 0,5% und konnte die Verluste der beiden Vorjahre kompensieren. Zwischen 2014 und 2017 betrug das mittlere jährliche Wachstum gerade einmal 0.09%. Im Resultat heisst das Stagnation. Einzig La-Chaux-de-Fonds bietet schlechtere Zahlen als St.Gallen, Lugano holt dank Eingemeindungen dafür kräftig auf. Es geht aber auch anders: Unsere Nachbarstadt Winterthur oder etwa Biel (ein Standort des Innovationsparks Schweiz) konnten ihre langfristigen Wachstumsraten halten.

Was wäre also, wenn St.Gallen auf der tiefen Wachstumsrate verharrt und die anderen Städte wie bisher prosperieren? Diese Frage haben wir dem Büro Fahrländer Partner gestellt. Im Jahr 2046 würde St.Gallen von Lugano auf den 9. Platz und bereits 2067 von Biel ans Tabellen-Ende gestossen. 2096 (also noch vor Ende des Jahrhunderts) würde St.Gallen von Köniz aus der Top-10 gekegelt. Falls der Stadt Fribourg eine Grossfusion mit umliegenden Gemeinden bis 2022 gelingt, wird das Ranking der Schweizer Städte noch schneller aufgemischt. Alles Hypothese!

Denn, wir wollen nicht Schwarzmalen. Aber der Stadtrat von St.Gallen tut gut daran, an seinen Wachstumszielen festzuhalten und den Worten auch Taten folgen zu lassen. Die Bevölkerung, Gesellschaft und Wirtschaft von St.Gallen stehen bei vielen anstehenden Entscheidungen vor der Wahl, ob sie ans Tabellenende gereicht werden wollen, oder ob der Aufbruch gelingen kann. Dafür braucht es aber – wie wir in unserer Wohnortstudie aufzeigen konnten – eine bessere nationale Erreichbarkeit auf Strasse und Schiene. Es braucht mehr innovative, zukunftsgerichtete Arbeitsplätze in der Privatwirtschaft, dafür weniger Stellenwachstum im öffentlichen Sektor. Es braucht endlich baureif aufbereitete Entwicklungsflächen und neue, moderne Wohnformen für Familien und Talente. Dafür werden wir uns beim Hauseigentümer-Verband auch nach unserem Jubiiläumsjahr mit Nachdruck einsetzen.

Ausruhen ist also nicht erlaubt. Wenn St.Gallen nicht das «La-Chaux-de-Fonds der Deutschschweiz» bleiben will, muss unsere Stadt ihre Hausaufgaben gezielt angehen. Eine Wachstumsagenda für St.Gallen – getragen von der Stadt, den Verbänden und auch dem Kanton – tut bitter Not.